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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Einmal habe ich im Laden mit einem Zwanzig-Euro-Schein bezahlen wollen, der wegen eines undichten Getränkebehälters im Rucksack feucht ge­wor­den war. Misstrauisch beäugte die Da­me an der Kasse den Schein, befühlte ihn von allen Seiten und meinte dazu: „Nicht, dass Sie mir hier Falschgeld andrehen.“ Diese Bemerkung hätte man als unhöflich auffassen können. Sie zeigt jedoch einmal mehr, dass wir in einer Welt leben, wo Falsches gern als wahr verkauft wird und dementsprechend Vorsicht geboten ist.

Stellen wir uns vor, der Geldschein wäre wirklich eine „Blüte“ gewesen. Es hätte dann überhaupt keine Rolle gespielt, durch wie viele Hände er vorher gegangen ist und wie viele nützliche Dinge damit schon gekauft wurden. Falschgeld wird am Ende aus dem Verkehr gezogen und dem Letzten, der damit bezahlen will, drohen unangenehme Konsequenzen. Gut ist nicht gut genug, wenn die Echtheit fehlt.

Fälschungen erkennt man am bes­ten, wenn sie mit dem Original verglichen werden. Auch Kassierer und Bankangestellte lernen den Umgang mit Falschgeld nicht, indem sie sich Dutzende von „Blüten“ anschauen. Vielmehr lernen sie die Echt­heits­merkmale jedes Geldscheins kennen und können danach auch bisher unbekannte Fälschungen gut erkennen.

Kennen wir das geistliche Original wirklich - jenen Glauben, der von Jesus und seinen ersten Jüngern ein für allemal überliefert wurde (Judasbrief, Vers 3)? Wer davon überzeugt ist, dass keine Glaubensrichtung dieser Welt besser ist als andere, stellt sich diese Frage womöglich gar nicht. Er gleicht einem Menschen, der angesichts vieler Fälschungen denkt, es könne kein Original geben.

Es gilt als intolerant, eine Glaubensrichtung höher zu stellen als andere. „Lehren nicht alle Religionen mehr oder weniger das gleiche?“, fragen sich viele. In der Tat gibt es Glaubensinhalte, die sich verblüffend ähneln. Schau­en wir uns das am Beispiel einer be­kann­ten Lebensregel an, die von ver­schie­denen Quellen recht ähnlich for­mu­liert wird.

Dies ist die Summe aller Pflichten: Tue keinem anderen das Leid an,
was bei Dir selbst Leid verursacht hätte.1

Was Dir weh tut, tue keinem anderen an.2

Tut keinem etwas an, was für euch selbst nicht gut erschienen wäre.3

Erachte den Vorteil Deines Nächsten als Deinen Vorteil
und Deines Nächsten Nachteil als Deinen Nachteil.4
 
Füge Deinem Nächsten nicht den Schmerz zu, der Dich schmerzt.5

Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!6

Keiner von euch ist ein Gläubiger, solange er nicht das für seinen Bruder wünscht,
was er für sich selbst gewünscht hätte.7
 
Bürdet keiner Seele eine Last auf, die ihr selber nicht tragen wollt,
und wünscht niemandem, was ihr euch selbst nicht wünscht.8

Sicher haben Sie, liebe LeserInnen, dieses Lebensprinzip erkannt. Es ist gemeinhin als die Goldene Regel bekannt. Doch haben Sie auch bemerkt, dass sich in der Liste eine Regel befindet, die sich von allen anderen unterscheidet? Wenn nicht, bitte nochmals durchlesen!

Haben Sie bemerkt, dass alle Regeln in dieser Liste - außer einer - negativ bzw. passiv formuliert sind? Immer wieder er­scheint der Aufruf, dem An­de­ren kein Leid zuzufügen, ihm nicht wehzutun oder dem Bruder nichts Schlechtes zu wünschen. Das sind gute Grund­sätze, immerhin viel besser als das Gesetz des Stärkeren, der sich einfach vom Anderen nimmt, was er braucht ohne Rück­sicht auf Verluste. Aber sind alle diese Regeln wirklich „golden“? Ich möchte behaupten, dass wir es mit einem Original und vielen Nachahmungen dieses Originals zu tun haben. Ein bloßer Aufruf, dem Nächsten nicht zu schaden, kann als „Silberne Regel“ bezeichnet werden, für Gold reicht es nicht ganz. Die negative Formulierung „Tue nicht …“ bedarf einer Verbesserung.

Die positive Formulierung der Regel findet man in den Weisheitslehren der verschiedenen Religionen und Philosophien nur äußerst selten: Was wir von anderen erwarten, sollen wir ihnen tun. Hier bleibt der Mensch nicht passiv, sondern versucht praktisch zu helfen. Diese Regel ist Kern der Lehre von Jesus aus Nazareth:

"Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" (Matthäus 7,12; Lukas 6,31)

Kritiker verweisen al­ler­dings darauf, dass ein Mensch mit fehlgeleiteten Erwar­tungen an andere zu un­ge­sun­den Ver­hal­tensmustern nei­gen wird. So jemand handelt viel­leicht in bester Absicht, tut dann aber seinem Nächsten nicht wirklich etwas Gutes. Dieser Einwand ist berechtigt, wenn man die Regel einfach so in den Raum stellt und ihre Interpretation menschlichem Gutdünken überlässt. Daher benötigt diese Regel noch einen gesunden Maßstab, einen Kontext, aus dem heraus man sie richtig anwenden kann.

Bei Jesus beruht die Regel gerade nicht auf rein menschlichen Überlegungen, son­­­dern auf den Worten im Gesetz Moses und den Worten der Propheten. Auch an anderer Stelle wird das deutlich. Als ein Gesetzesgelehrter ihn nach dem größten Gebot fragte, antwortete Jesus nicht nur mit dem Aufruf zur aktiven Nächstenliebe, sondern nannte zugleich den wahren Maßstab solcher Liebe, nämlich:
 
"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen
und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstande"
(Matthäus 22,37)

Um zu dieser Liebe fähig zu sein, müssen wir an die Worte und Wertvorstellungen glauben, welche in der Bibel über Gott und seine Liebe offenbart sind. Daher folgt unmittelbar darauf wieder der Verweis auf das Gesetz und die Propheten (Matthäus 22,40). Auf dieser Grundlage werde ich meinem Nächsten nicht alles geben, was er verlangt, sondern nur das, was aus Gottes Sicht wirklich gut für ihn ist.

In Lukas, Kapitel 10, wird von einem ähnlichen Gespräch zwischen Jesus und einem Gesetzesgelehrten berichtet. Dort lässt Jesus seinen Gesprächspartner die Frage nach dem höchsten Gebot selbst beantworten. Doch dieser verlangt nach einem praktischen Beispiel – die Theorie und das Wissen genügen ihm nicht. „Wer ist denn mein Nächster?“ - lautet seine Frage. Daraufhin zeigt ihm Jesus, dass die echte Goldene Regel wahrhaft alltagstauglich ist und alle anderen Philosophien weit dahinter zu­rück­bleiben. Lesen wir Lukas 10, Verse 30-32 (Schlachter-Bibel):

"Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber;
die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halbtot liegen.
Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah,
ging er auf der andern Seite vorüber.
Desgleichen auch ein Levit, der zu der Stelle kam und ihn sah,
ging auf der andern Seite vorüber."

In diesem Textabschnitt sind zwei Lebensregeln vertreten, die wir bereits kennen. Zuerst bekommt ein Mensch das Recht des Stärkeren zu spüren. Anschließend lesen wir von zwei Vertretern der damals vorherrschenden Religion. Sie handeln nach dem Prinzip der Nichteinmischung. Sie enthalten sich, sie fügen dem verletzten Mann am Straßenrand keine weiteren körperlichen Verletzungen zu, sie wünschen ihm bestimmt auch nichts Böses. Aber sie helfen ihm auch nicht. Hier sehen wir die Silberne Regel in ihrer Eingeschränktheit. Doch Gott sei Dank endet die Geschichte hier nicht:

"Ein Samariter aber kam auf seiner Reise dahin, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen
und ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf,
hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.
Und am andern Tage gab er dem Wirt zwei Denare und sprach: Verpflege ihn!
Und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme.
Welcher von diesen Dreien dünkt dich nun der Nächste gewesen zu sein dem,
der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm tat!
Da sprach Jesus zu ihm: So gehe du hin und tue desgleichen!" (Lukas 10, 33-37)

Samariter und Juden waren zu jener Zeit mehr oder weniger verfeindete Volksgruppen. Man hätte er­wartet, dass jener auch nicht helfen würde. Wenn wir außerdem bedenken, dass der Weg von Jerusalem nach Jericho Teil einer Route war, mit der die Juden auf dem Weg nach Galiläa samaritanisches Gebiet umgehen konnten, erscheint es schon als merkwürdiger „Zufall“, dass ausgerechnet ein Samariter diese Route wählen würde. Und obwohl es bestimmt nicht sein Freund ist, der da verletzt am Straßenrand liegt, leistet er praktische Hilfe und bringt persönliche Opfer, die sich nicht auf „Erste Hilfe“ beschränken. Die echte, unverfälschte Goldene Regel beinhaltet also aktives Handelnselbst an einem Feind.

Der Samariter hatte Erbarmen und Barmherzigkeit, zwei wichtige Eigenschaften Gottes, die in den großen Weltreligionen theoretisch bekannt sind. Jesus zeigt uns in dieser Geschichte, wie Gott an uns praktisch handeln will. Er nahm auch einen Umweg in Kauf, als er seinen Sohn in diese ihm feindlich gesinnte Welt sandte. Und er bezahlte einen Preis, um Menschen aus der Not ihrer Verlorenheit zu retten – Menschen, die eigentlich nichts mit ihm zu tun haben wollten. Auch hier beweist sich das Einzigartige an Jesus:

"Nun stirbt kaum jemand für einen Gerechten;
für einen Wohltäter entschließt sich vielleicht jemand zu sterben.
Gott aber beweist seine Liebe gegen uns damit,
dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren."
(Römerbrief, Kap. 5, 7-8)

Wenn wir dieses Geschenk Gottes annehmen, werden wir die Welt mit neuen Augen sehen. Was Er uns gibt, ist mehr als eine Sammlung von Verboten, mehr als eine Anleitung zu einem enthaltsamen Lebensstil.

Vielmehr liebet eure Feinde und tut Gutes und leihet, ohne etwas dafür zu erhoffen;
so wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder des Höchsten sein;
denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
(Lukas 6, 35-36)

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Gott aber schenkt uns durch Jesus die Gelegenheit, seine Charakterzüge und damit seine Herrlichkeit widerzuspiegeln und ihn so in dieser Welt bekannter zu machen.

 


1 Mahabharata 5:1517  2 Talmud, Shabbat 31a 3 Zoroaster Shayast-na-shayast 13:29  4 T'ai Shang Kan Ying P'ien, 213-218  5 Udana-Varga 5:18  6 Matthäus 7,12 (siehe auch Lukas 6,31)   7 An-Nawawis 40 Hadiths, Nr. 13   8 Baha'u'llah (Bahai-Religion)