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Bibelstunde (Das Wachstum der Jünger von Jesus)

parallel Kinderbibelstunde

 

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mit Lobgesang, Abendmahl, Predigt und Gebet

 

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jeden letzten Sonntag im Monat, wenn nicht anders vermerkt

 

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Der Aussteiger

„Ich bin dann eben mal weg.“ Raus aus dem Alltag, fern aller Rou­tine etwas Neues entdecken und erleben. Wer kennt diese Sehnsucht nicht? Aber nach jedem Urlaub holt uns doch der Alltag wieder ein. Wer von uns wäre wirklich bereit für ein Abenteuer, welches unser Leben nicht nur für 1-2 Wo­chen, sondern dauerhaft um­krem­peln würde?

Manche tun es wirklich. Sie geben alles auf, ziehen um und wollen anderswo ein neues Leben be­gin­nen. Auf einer Waldwanderung sind meine Frau und ich vor vielen Jahren einem Einsiedler begegnet, der sich in einer Höhle wohnlich eingerichtet hatte. Ein bisschen extrem und wahrscheinlich für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar.

Angesichts solcher „Beispiele“ finden wir uns damit ab, dass in unserem Leben doch alles besser so bleiben sollte, wie es ist. Aber auch das ist nicht der Plan Gottes für Menschen, die zu ihm gehören wollen. Er will unsere Routine um­gestalten. Wie das genau funk­tio­nie­ren kann, wollen wir uns am Leben des Simon Petrus genauer ansehen.

Der Bericht über ihn im Neuen Testament ist durch und durch glaubhaft. Nichts wird beschönigt. Gute und schlechte Momente in seinem Leben folgen oft dicht hintereinander. Doch wer war er? Ein Mann mit einem Beruf, der ihn viele Stunden des Tages und oft auch nachts auf den Beinen hielt. Nachts ging er fischen, tags­über wa­­ren Aus­besserungs­ar­bei­ten an Boot und Ausrüstung fällig - ein eher un­ter­be­zahl­ter Job ohne Auf­stiegs­chancen. „Na klar“, denken wir. „So jemand ist bestimmt schnell bereit, alles stehen und liegen zu lassen, wenn ihm jemand ein neues Leben verspricht.“ Auf den ersten Blick mag es tatsächlich so aussehen:

"Als Jesus am See von Galiläa entlang ging, sah er Fischer, die ihre runden Wurfnetze auswarfen.
Es waren Simon und sein Bruder Andreas. Jesus sagte zu ihnen: „Auf, mir nach!
Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“
Sofort ließen sie die Netze liegen und folgten ihm." (Matthäus 4, 18-20)
 
Als ich diese Geschichte zum ersten Mal hörte, blieb bei mir genau dieser Eindruck hängen. Hier ist jemand, der ohne zu zögern dem Ruf von Jesus folgt. Wie kann das sein? Doch jener Eindruck täuscht, denn dies ist bei weitem nicht die erste Begegnung zwischen den beiden. Bereits früher hatte Simons Bruder Andreas mit Jesus Bekanntschaft gemacht und seinen Bruder gleich mit dazugeholt.
 
Dann brachte er ihn zu Jesus. Jesus sah ihn an und sagte:
„Du bist Simon Sohn des Johannes. Man wird dich einmal Kephas nennen.“
- Kephas bedeutet „Fels“, griechisch: „Petrus“. (Johannes 1, 42)

Für uns als Leser ist Simon an dieser Stelle noch ein unbeschriebenes Blatt. Doch Jesus weiß bereits, welches Potential in ihm steckt. Stel­len wir uns das vor: Jetzt, wo dein Leben noch in seinen alten Bahnen verläuft, weiß Gott bereits, was auch aus dir werden kann. Ähnlich wie bei Petrus vermag er uns fortan in Situationen zu bringen, wo wir ermutigt werden, „auszusteigen“ - das Alte hinter uns zu lassen.

Jene Szene am See war der erste Schubs in die richtige Richtung. Doch nun muss es weitergehen. Lesen wir im Bericht von Lukas, der etwas ausführlicher schreibt:

Eines Tages stand Jesus am Ufer des Sees Gennesaret.
Die Menschen drängten sich um ihn und wollten das Wort Gottes hören.
Da bemerkte er zwei Boote am Ufer. Die Fischer waren ausgestiegen und rei­nig­ten ihre Netze.
Jesus stieg in eins der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück auf den See hinauszufahren.
So konnte er sich setzen und die Menge vom Boot aus unterweisen. (Lukas 5,1-3)

Simon und Jesus kennen einander schon ein wenig und der Fischer ist gern bereit, sein Boot als eine Art schwimmendes Rednerpult zur Ver­fügung zu stellen. Hier haben wir ein erstes Stadium von Jüngerschaft. Bestimmte Zei­ten sind für Gott reserviert. Aber allein diese Begegnung vermochte Simon noch nicht in die weitere Nachfolge zu rufen. Dann aber hat der Prediger aus Nazareth eine ungewöhnliche Idee: Nach einer erfolglosen Nacht sollen Simon und seine Kollegen erneut auf den See fahren und die Netze auswerfen. Obwohl das jetzt, mitten am Tag, nichts bringen kann, tun sie's. Einen gewissen Respekt bringen die Fischer dem Zimmermann schon ent­gegen. „Na gut, weil du's bist.“ Aber dann ...

Als sie es dann getan hatten, umschlossen sie eine solche Menge Fische, dass die Netze zu reißen begannen.
Deshalb winkten sie ihren Mitarbeitern im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen.
Zusammen füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast sanken.
Als Simon Petrus das sah, kniete er sich vor Jesus hin und sagte:
„Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch!“ (Lukas 5,6-8)

Petrus begreift sofort, dass mehr als ein gewöhnlicher Mensch vor ihm steht. In seinem Schreck will er Jesus wegschicken. Aber eine neue Aufgabe wartet auf ihn und die anderen, symbolisiert durch den übergroßen Fang: Sie sollen Men­schen­fi­scher werden und andere für das Reich Gottes gewinnen. Daraufhin lassen sie alles stehen und liegen. Jetzt sind sie bereit mit Jesus zu gehen. Ein Boot, welches beinahe gesunken wäre, tauscht man gern gegen ein neues Leben ein. Allerdings wird es noch mehrere Bootslektionen brauchen, bis dem Fischer klar wird, worum es geht.

Das Boot des Petrus erweist noch so manchen guten Dienst. Es wird erneut zum Werkzeug für Gott, als es bei einer Überfahrt in einen starken Sturm gerät. Alle geraten in Panik, als immer mehr Wasser ins Boot hinein schwappt - nur Jesus schläft ruhig und friedlich.

Jesus aber schlief im Heck auf einem Kissen. Die Jünger weckten ihn und schrien:
„Rabbi, macht es dir nichts aus, dass wir umkommen?“
Jesus stand auf, bedrohte den Sturm und sagte zum See:
„Schweig! Sei still!“ Da legte sich der Wind und es trat völlige Stille ein.
„Warum habt ihr solche Angst?“, fragte Jesus. „Habt ihr immer noch keinen Glauben?“
Da wurden sie erst recht von Furcht gepackt und flüsterten einander zu:
„Wer ist das nur, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen?“ (Markus 4,38-41)

In einem solchen Lebensstadium ist der Jünger Jesu schon weiter gekommen. Jesus ist nicht nur kurzer Gast im Boot - er gehört bereits fest mit dazu. Doch dann kommen Momente, wo Gott nicht sofort eingreift, wo er Dinge zunächst ge­sche­hen lässt, unsere Warum-Fragen un­be­antwortet blei­­­ben. Wa­rum müs­sen wir uns so lange ab­mü­­hen? Hat Gott die Kontrolle verloren? Was will er uns zeigen, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, wenn er erst im letzten Moment eingreift? Es muss etwas Wichtiges sein, etwas, das nicht gleich beim ersten Mal zu verstehen ist.

Damit sind wir bei der nächsten Bootsepisode angelangt. Jesus hatte sei­ne Jünger mit dem Boot vorausgeschickt:

Das Boot war schon mitten auf dem See und musste schwer mit den Wellen kämpfen,
weil ein starker Gegenwind aufgekommen war.
Zwischen drei und sechs Uhr in der Nacht kam er dann zu ihnen. Er ging über den See.
Als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, schrien sie von Furcht gepackt auf:
„Es ist ein Gespenst!“ Sofort rief er sie an: „Erschreckt nicht! Ich bin's! Habt keine Angst!“
(Matthäus 14, 24-27)

Schon wieder Sturm. Und erst gegen Ende der Nacht naht Hilfe. Das zehrt an den eigenen Kräften. Umso erstaunlicher ist es, dass jetzt einer der Bootsinsassen außergewöhnlichen Mut bekommt, obwohl auch er mit seinen Kräften eigentlich am Ende ist. Wir können uns bereits denken, um wen es sich handelt:

Da sagte Petrus: „Herr, wenn du es bist, dann befiehl mir, auf dem Wasser zu dir zu kommen!“
„Komm!“, sagte Jesus. Da stieg Petrus aus dem Boot
und ging auf dem Wasser auf Jesus zu. (Matthäus 14,28-29)

Was für ein Fortschritt! Es genügt dem Simon, der inzwischen auch Petrus genannt wird, nicht mehr, Jesus nur im Boot zu haben. Er steigt aus. Zwar verraten seine Worte noch einen gewissen Zweifel, zwar fängt er nach ein paar Schritten an zu sinken, zwar wird er von seinem Herrn als Klein­gläubiger zurechtgewiesen, aber er wagt etwas, das sich die Ande­ren nicht getraut hätten. Wie klein muss deren Glaube erst gewesen sein!

Müssen wir nicht auch einmal un­sere Wohlfühlzone verlassen? Be­­stimmt hast du schon einmal etwas für Gott gewagt. Vielleicht ist es zunächst nicht geglückt. Tröste dich! Petrus hat auch in vielem versagt. Nie jedoch konnte ein Tiefschlag ihn permanent aus der Bahn werfen. Nie hat er gesagt: „Das mache ich nie wieder.“ Diesen Willen zum Durchhalten trotz Fehlschlägen hat Jesus in Simon lange im Voraus gesehen und erkannt: Aus ihm kann ein Felsen werden. Aber das braucht Zeit, es geht nicht ohne das Risiko des Versagens. Es geht mit der Vergebung, die ein liebevoller Herr denen schenkt, welche ihm gehören wollen.

Die Zeit vergeht und es kommt die Stunde, wo Simon und die anderen eine letzte wegweisende Entscheidung treffen müssen. Sie ha­ben das grausame Ende ihres Herrn miterlebt. Sie haben in jener dunk­len Stunde ihre eigene Unzulänglich­keit klar vor Augen gemalt bekommen. Vor allem Petrus weiß jetzt: Nur aus eigener Kraft ist die Nachfolge nicht zu bewältigen. Man versinkt in den Wellen, schläft ein, wo Ausharren geboten ist, verleugnet seinen Herrn im entscheidenden Augenblick.

Wenn nun jemand kommt und Mut zuspricht, wird man ihm Glauben schenken? „Ich bin nicht gut genug“ - mit dieser Einstellung kämp­fen Menschen bis heute, gerade all jene, die an der Schwelle zum Reich Gottes stehen. Wenn du aber das für dich erkannt hast, bist du im Glauben weiter als all jene, die sich weiterhin in ihrer Selbstgerechtigkeit son­nen.

Wiederholt sind die Jünger dem auferstandenen Jesus begegnet. Nur zögerlich können sie einordnen, was geschehen ist. Darf jemand dazugehören, der versagt hat? Die Ant­wort des Herrn ist eindeutig:

Und nun geht zu seinen Jüngern und sagt ihnen und dem Petrus:
„Er geht euch nach Galiläa voraus. Dort werdet ihr ihn sehen,
wie er es euch angekündigt hat.“ (Markus 16,7)

Galiläa - dort wo alles angefangen hat. Dort sind sie ihm zum ersten Mal begegnet. Dort liegt der See. Und irgendwo am Ufer, das gute alte Boot. Hier muss sich erweisen, wie es weitergehen wird. Wird es einen Neuanfang geben, oder bleibt es bei dem alten vertrauten Lebens­umfeld?

Simon Petrus und Thomas, der auch „Zwilling“ genannt wurde, Natanael aus Kana in Galiläa,
die Söhne des Zebedäus und noch zwei andere Jünger waren zusammen.
Petrus sagte: „Ich gehe fischen.“ „Wir kommen mit“, meinten die anderen.
Also fuhren sie im Boot hinaus, fingen in jener Nacht aber nichts. (Johannes 21,2-3)

Hier haben wir Menschen vor uns, die dem auferstandenen Herrn begegnet sind. Scheinbar hat sich nichts geändert. Die leeren Net­ze sprechen eine klare Sprache. Erkennen wir uns in diesen Menschen wieder? Es kann mitunter lange dauern, bis eine Erkenntnis vom Kopf auch ins Herz dringt und wir wirklich den entscheidenden Schritt wagen. Was wir dann brauchen, sind keine neuen Lehren. Eher eine Erinnerung. Ein weiteres Boots­er­leb­nis ist noch nötig.

Als es Tag wurde, stand Jesus am Ufer, doch die Jünger erkannten ihn nicht.
„Kinder, habt ihr vielleicht etwas zu essen dabei?“, rief er ihnen zu. „Nein!“, riefen sie zurück.
„Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus!“, forderte er sie auf. „Dort werdet ihr welche finden.“
Das taten sie. Doch dann konnten sie das Netz nicht mehr ins Boot ziehen,
soviel Fische hatten sie gefangen. (Johannes 21,4-6)

Welch ein Aha-Erlebnis! Jetzt begreifen die Jünger endgültig, wer da am Ufer steht, wer ihr Herr ist.

... Daraufhin warf sich Simon Petrus das Obergewand über,
das er bei der Arbeit abgelegt hatte,
band es hoch und sprang ins Wasser.
Die anderen Jünger kamen mit dem Boot nach,
das Netz mit den Fischen im Schlepp­tau. (Johannes 21,7-8)

Jetzt ist Simon endlich bereit, auszusteigen, sein Boot hinter sich zu lassen und ein Menschenfischer zu wer­­den. In allen weiteren Berichten im Neuen Testament ist nirgendwo mehr sein Boot erwähnt.
 
Können wir so etwas tun wie Petrus? Manch einer denkt vielleicht: Wenn ich all die Wunder miterlebt hätte, wäre es leichter. Wirklich? Ich finde es interessant, dass gerade bei dem letzten entscheidenden Sprung aus dem Boot erstaunlich wenig Wun­­der passiert sind: Ja, da waren 153 Fische. Ja, da stand Jesus am Strand … aber es wurde kein Sturm gestillt. Petrus lief nicht auf dem Wasser – er musste schwimmen, so wie es für alle normal ist.
 
Echte Nachfolge muss sich im Alltag beweisen. Tatsächlich wird man beim Christwerden nass. Man muss gegen den Strom schwimmen. Doch der Weg zum Ufer ist oft weiter als vermutet. Trotzdem rät uns der Aussteiger folgendes:

"Ihn liebt ihr ja, obwohl ihr ihn noch nie gesehen habt,
an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn auch jetzt nicht seht,
und jubelt in unsagbarer, von Herrlichkeit erfüllter Freu­­de.
So werdet ihr das Ziel eures Glaubens erreichen: eure Rettung."
(1. Petrus 1,8-9)